Müttergenesungswerk: Spendenaufruf 2018

Was wirklich zählt: Schenken Sie Wertschätzung
Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal. Insbesondere Mütter befinden sich im Spagat zwischen Familie, Hausarbeit und Beruf. Häufig sind sie alleinerziehend oder pflegen zusätzlich Angehörige. Was ihnen oftmals auch fehlt, ist die Wertschätzung. Es sind die vielfältigen Belastungen des Alltags, die krank machen.
Das Müttergenesungswerk setzt sich als gemeinnützige Stiftung für die Gesundheit von Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen ein. Durch Aufklärungsarbeit, Beratung, Kurmaßnahmen und Nachsorge konnten wir Generationen von Müttern neue Perspektiven für sich und die ganze Familie aufzeigen und sie begleiten. Mit Spenden unterstützen wir auch ganz direkt, wenn zum Beispiel das Geld für Kurkleidung, den gesetzlichen Eigenanteil oder Fahrtkosten fehlt.
Unsere Arbeit ist deshalb so wirkungsvoll, weil hilfsbereite Menschen uns unterstützen. Bitte helfen auch Sie mit Ihrer Spende, Müttern eine so dringend benötigte Kur zu ermöglichen. Eine Maßnahme, die der ganzen Familie Kraft schenkt. Das Müttergenesungswerk finanziert seine wertvolle Arbeit vor allem durch Spenden, Erbschaften und Zustiftungen.
Besinnen wir uns darauf, was wirklich zählt. Es ist die Wertschätzung für Mütter, Väter und pflegende Angehörige, die tagtäglich eine so wichtige Aufgabe für unsere Gesellschaft und unsere Zukunft wahrnehmen. Helfen Sie mit Ihrer Spende und schenken Sie diese Wertschätzung.
Ich danke Ihnen von Herzen
Ihre
Elke Büdenbender
Schirmherrin

Pressemitteilung zum Muttertag 2018

„Überlasteten Müttern neuen Antrieb geben“ Haus- und Straßensammlung des Müttergenesungswerks hat begonnen
Berlin, 3. Mai 2018.
Bis zum Muttertag am 13. Mai sind wieder viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer auf den Straßen und an den Türen unterwegs, um Spenden für erschöpfte und kranke Mütter zu sammeln. Die Spendenaktion – dieses Jahr unter dem Motto „Mission Mutter: Überlasteten Müttern neuen Antrieb geben“ – wird seit 1950 vom Müttergenesungswerk (MGW) durchgeführt. Elke Büdenbender, Schirmherrin der gemeinnützigen Stiftung, rief mit einem Spendenappell zur Unterstützung auf.
„Hilfe und Unterstützung für Mütter und ihre Familien sind heute notwendiger denn je. Ich freue mich sehr, dass sich auch in diesem Jahr viele Sammlerinnen und Sammler in Kommunen, Kirchengemeinden, Frauenverbänden, Schulen und Vereinen engagieren und dazu beitragen, dass erschöpfte und kranke Mütter eine Kurmaßnahme in Anspruch nehmen können. Für die Arbeit des MGW ist die Sammlung von großer Bedeutung“, betont Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungs-werks.
Wofür das Müttergenesungswerk sammelt
Rund zwei Millionen Mütter sind durch die Doppel- und Dreifachbelastung in Familie, Haushalt und Beruf so erschöpft und ausgelaugt, dass sie als kurbedürftig gelten. Doch nur ein Bruchteil nimmt an einer Mütterkur oder Mutter-Kind-Kur teil. Im MGW sind es rund 50.000 Mütter pro Jahr. Zusätzlich stärkt das MGW Mütter nicht nur mit Kurmaßnahmen, sondern oft auch mit direkten finanziellen Zuschüssen: Wenn Mütter sich die gesetzliche Zuzahlung, Kurausstattung oder Taschengeld nicht leis-ten können, können sie ggf. einen Zuschuss aus Spendenmitteln erhalten, damit sie nicht auf die dringend benötigte Kurmaßnahme verzichten müssen.
In den bundesweit rund 1.200 Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände im MGW-Verbund können sich Mütter kostenlos zu allen Fragen rund um die Kurmaßnahme beraten lassen. Zudem unterstützen Nachsorgeangebote Mütter in ihrem Alltag, um den Kurerfolg langfristig zu sichern.
Auch online Spenden sammeln
In diesem Jahr gibt es eine Neuerung: Alle, die die Sammlung unterstützen wollen, können online ihre eigene Spendenaktion starten. Freundinnen und Freunde, Bekannte und Verwandte werden per Link zur Unterstützung eingeladen. Zu Muttertag wollen wir die Spenden-Rakete für Mütter zünden – gemeinsam mit den Sammlerinnen und Sammlern auf den Straßen und an den Türen, den Beratungsstellen und Kliniken und allen weiteren Unterstützerinnen und Unterstützern online und vor Ort. Jede Hilfe ist willkommen!

www.muettergenesungswerk.de/spenden-und-helfen.
Spendenkonto: IBAN: DE13 7002 0500 0008 8555 04, BIC: BFSWDE33MUE


Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin
Ansprechpartnerin für die Sammlung: Petra Gerstkamp Tel.: 030/33 00 29-12, gerstkamp@muettergenesungswerk.de Kurtelefon: 030/33 00 29-29
www.muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de/sammlungen

Altersarmut ist weiblich – Evangelische Organisationen zum Equal Pay Day

Stein, 15.03.2018 Mit einer gemeinsamen Positionsbestimmung haben mehrere evangelische Organisationen zur Lohnlücke zwischen Frauen und Männern Stellung bezogen. Anlass ist der Equal Pay Day – der Tag im Jahr, bis zu dem Frauen statistisch gesehen umsonst arbeiten. Er fällt in diesem Jahr auf den 18. März. In dem vom FrauenWerk Stein, der Diakonie Bayern, dem Kirchli-chen Dienst in der Arbeitswelt, den Evangelischen Frauen in Bayern und dem Referat für Chancengleichheit der Evangelischen Kirche in Bayern verabschiedeten Papier heißt es, eine "fatale Kombination aus traditioneller Arbeitsverteilung und fragmentierter Erberwerbsbiographie führt dazu, dass Frauen vor allem im Alter deutlich stärker von Armut bedroht sind als Männer."
Der so genannte "Gender Gap" beträgt dem Statistischen Bundesamt zufolge in Deutschland 21 Prozent. Im Alter wird der geschlechtsspezifische Unterschied zwischen Frauen und Männern sogar noch größer: So betrug die Altersrente 2016 bei den Männern im Durchschnitt 1.096 Euro, bei den rund 372.300 Neurentnern waren es rund 1.008 Euro. Die Höhe der durchschnittlichen Alters-rente bei den Frauen belief sich dagegen nur auf 665 Euro, die der 411.400 Neurentnerinnen auf 681 Euro. In keinem anderen OECD-Land ist das Gefälle zwischen Rentnerinnen und Rentnern so hoch. Die Rentenlücke – der "Gender Pension Gap" – liegt bei über 50 Prozent.
"Das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern ist noch längst nicht erreicht – das zeigen der Equal Pay Gap und der Gender Pension Gap", so Michaela Wachsmuth, geschäftsführende Vor-ständin im FrauenWerk Stein. "Frauen müssen dafür weiter kämpfen". Nach Ansicht der zeichnenden Organisationen ist die "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen nach christlicher Überzeugung ein Gebot der Gerechtigkeit." Existenzsicherung und Anerkennung menschlicher Arbeit gehören nach evangelischer Auffassung zu den fundamentalen Bedingungen einer gerechten Gesellschaft. Im Positionspapier heißt es weiter: "Chancen- und Geschlechtergerechtigkeit sind zentrale Anliegen, für die wir gemeinsam eintreten."
Der "Equal Pay Day" bezeichnet den Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen. An diesem Tag wird auf den bestehenden Gender Pay Gap (GPG) – den geschlechterspezifischen Lohnunterschied – aufmerksam gemacht. Der Aktionstag markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. 2018 ist der Equal Pay Day am 18. März.


Das vollständige Positionspapier sowie Interviews mit von Altersarmut bedrohten bzw. betroffenen Frauen finden Sie unter www.fachstelle-frauenarbeit.de


Hintergrund:
Das FrauenWerk Stein e.V. ist ein Verein in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). Die ELKB hat die evangelische Frauenarbeit an den Verein übertragen. Das FrauenWerk Stein versteht sich als Lobby für Fraueninteressen in der bayerischen Landeskirche.


Kontakt:
Dr. Andrea König, Leiterin der Fachstelle für Frauenarbeit, FrauenWerk Stein e.V. in der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Deutenbacher Str. 1, 90547 Stein, Fon: 0911 6806-135, Mail: koenig@frauenwerk-stein.de

Weltfrauentag: Müttergenesungswerk kämpft für Mütter

Langer Kampf für gesetzliche Verankerung von Kurmaßnahmen

Berlin, 6. März 2018. Der Gedanke der Müttergenesung ist ähnlich alt wie der Frauentag. Doch erst 1950 begann die konkrete Umsetzung eines vernetzten Hilfsangebotes für überlastete und kranke Mütter: Elly Heuss-Knapp gründete das Müttergenesungswerk (MGW). An einen Rechtsanspruch auf eine Kurmaßnahme für Mütter war jedoch noch lange nicht zu denken.
Der Erfolg des Kurangebots unter dem Dach des Müttergenesungswerks zeigte sehr schnell den hohen Bedarf: 500.000 Mütter nahmen in den ersten 10 Jahren an Kurmaßnahmen teil. Waren es zu Beginn vor allem Mütter, die nach dem Krieg Hilfe und Erholung brauchten, wurde das Angebot sehr bald ausgebaut und auf die verschiedenen Bedürfnisse der Frauen spezialisiert – beispielsweise für Landfrauen, berufstätige, körperbehinderte Mütter oder Frauen nach einer Krebsbehandlung. Ein großer Erfolg der politischen Arbeit des Müttergenesungswerks war schließlich 1989 zu verzeichnen, als Kurmaßnahmen für Mütter und deren Kinder erstmalig im Sozialgesetzbuch als Regelleistung verankert wurden. 2007 folgte die Verankerung als Pflichtleistung der Krankenkassen und damit ein Rechtsanspruch, wenn die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind.
Das Müttergenesungswerk geht dabei stets mit der Zeit. Die Rollenbilder in unserer Gesellschaft und in den Familien verändern sich. Immer mehr Väter wollen sich an der Betreuung und Erziehung der Kinder beteiligen und leiden ebenfalls zunehmend unter der Doppelbelastung. Diese führt nicht selten zu ernsthaften Erschöpfungszuständen bis hin zum Burnout. Deshalb hat das Müttergenesungswerk eine „Zustiftung Sorgearbeit“ gebildet und bietet auch Kurmaßnahmen für Väter sowie für pflegende Angehörige an. Grundlage ist dabei die lange Erfahrung mit gendersensiblen Therapien, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Über 4 Millionen Mütter haben seit der Gründung eine Kurmaßnahme in einer der vom MGW anerkannten Kliniken in Anspruch genommen.
Auch in Zukunft gibt es viel zu tun: Das Müttergenesungswerk wirkt als Seismograf, als laute Stimme und Korrektiv für die Gesundheit von Müttern, Vätern und Pflegenden. Über 2 Millionen Mütter und rd. 230.000 Väter sind kurbedürftig. Es fehlen noch immer bundeseinheitliche Attestformulare, das Wunsch- und Wahlrecht der Versicherten wird häufig nicht berücksichtigt und es bedarf einer Absicherung für das Netz der Beratungsstellen.
Hilfe und Beratung rund um die Kurmaßnahme bis hin zur Nachsorge bekommen Betroffene bei den 1.200 Beratungsstellen in ganz Deutschland, die von den Wohlfahrtsverbänden betrieben werden. Eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe finden Sie über die Beratungsstellensuche auf www.muettergenesungswerk.de (hier geht‘s zur Beratungsstellensuche).
Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin
Ansprechpartnerin: Anne Schilling
Tel.: 030/33 00 29-0
presse@muettergenesungswerk.de

100 Jahre Frauenwahlrecht: Elly Heuss-Knapp stärkte die Frauen

Die Gründerin des Müttergenesungswerks war eine politische Frau
Berlin, 25. Januar 2018. „Frauen werbt und wählt, jede Stimme zählt, jede Stimme wiegt, Frauenwille siegt!“ Mit diesem Slogan warb Elly Heuss-Knapp für die erste Wahl von Frauen nach Einführung des Frauenwahlrechts 1918. Zeit ihres Lebens war sie sozial und politisch engagiert und setzte sich v.a. für Frauen und Familien ein – gekrönt hat sie ihr Wirken viele Jahre später mit der Gründung des Müttergenesungswerks.
Am 25. Januar 1881, heute vor 137 Jahren, wurde Elly Heuss-Knapp, Deutschlands erste First Lady, in Straßburg geboren. Noch während ihrer Studienzeit begann sie, politische Vorträge zu halten. Als Frauen 1919 das erste Mal wählen durften, engagierte sie sich im überparteilichen Ausschuss der Frauenverbände für die Wahlkampagne. In einem Brief an ihre Schwester schrieb sie: "Jetzt bin ich sehr an der Arbeit; Propaganda für die Frauenverbände Deutschlands. Fabrik von Flugblättern, Versen etc. […]. Für Ausübung des Wahlrechts aller Frauen". Zudem ließ sie sich auch selbst als Kandidatin für die Wahl zur Nationalversammlung aufstellen.
Was damals ein Novum war, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Auch in der Sozialpolitik hat Elly Heuss-Knapp Spuren hinterlassen. Mit der Gründung des Müttergenesungswerks 1950 wurde die Gesundheit von Müttern, ihre Belastungen und die Notwendigkeit von Kurmaßnahmen ein politisches Thema. 1989 ist es der Stiftung schließlich gelungen, diese Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen im Sozialgesetzbuch zu verankern. Heute sind Mütterkuren, Mutter-Kind-Kuren und auch Väter- und Vater-Kind-Kuren Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen.
Die Vision der vernetzten Arbeit für die Gesundheit von Müttern führt das Müttergenesungswerk als gemeinnützige Stiftung im Verbund mit den Wohlfahrtsverbänden bzw. deren Fachverband/ Arbeitsgemeinschaft fort. Im Sinne von Elly Heuss-Knapp werden Mütter, Väter und pflegende Angehörige bei Kurmaßnahmen individuell – ggf. auch mit Spenden – unterstützt. Zudem setzt sich das Müttergenesungswerk strukturell und politisch für bessere Rahmenbedingungen ein.


Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin
Ansprechpartnerin: Anne Schilling
Tel.: 030 3300290
presse@muettergenesungswerk.de
Kurtelefon: 030 33002929
www.muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de/jetzt-spenden


Spendenkonto: IBAN: DE13 7002

Müttergenesungswerk rät: Wunsch- und Wahlrecht bei Kurmaßnahmen nutzen

Berlin, 30. November 2017. Das Wunsch- und Wahlrecht der gesetzlich Versicherten wurde 2015 durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz gestärkt und ausdrücklich auf Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen bzw. auch Vater-Kind-Kurmaßnahmen zur Vorsorge- und Rehabilitation ausgeweitet.
„Wir raten Müttern, dieses Recht den Krankenkassen gegenüber unbedingt wahrzunehmen und ihren Klinikwunsch mit dem Antrag einzureichen“, empfiehlt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes. „Die Wahl der ‚richtigen‘ Klinik ist wichtige Voraussetzung für den gesundheitlichen und nachhaltigen Erfolg der Kurmaßnahme.“
Neben der medizinischen Indikation gibt es weitere wichtige Kriterien für die Klinikwahl: Zum Beispiel bestimmte Therapieformen, eine Spezialisierung oder auch Schwerpunktkurmaßnahmen aus dem psychosozialen Bereich, eine Kurmaßnahme an der ausschließlich Mütter teilnehmen, eine konfessionelle Klinik, Bedingungen der Kinderbetreuung oder auch die Größe oder die Entfernung der Klinik.
All diese Wünsche sind berechtigt und tragen zum Kurerfolg bei. Gesetzlich entscheiden Krankenkassen über die Bewilligung eines Kurantrags und über den Ort und Zeitpunkt einer Kurmaßnahme. Dabei sind sie jedoch verpflichtet, den „berechtigten Wünschen“ der Versicherten zu entsprechen. Die von der Krankenkasse bewilligte Kurmaßnahme muss „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein. Doch das Wirtschaftlichkeitsgebot, mit dem die Krankenkassen argumentieren, bedeutet nicht, dass ausschließlich das billigste Angebot auszuwählen ist. Der Gesundheitserfolg steht im Vordergrund.
In der Praxis werden die Wünsche von Müttern mit dem Wirtschaftlichkeitsgebot allein auf den Preis reduziert. In der Begutachtungs-Richtlinie Vorsorge und Rehabilitation des Medizinischen Dienstes, die das Müttergenesungswerk 2012 mitverhandelt hat, wurde ausdrücklich formuliert, dass der Preis nicht das alleinige Kriterium sein darf. Inzwischen gibt es sogar Fälle, in denen Mütter von ihrer Krankenkasse eine eingeschränkte „Klinik-Liste“ erhalten, auf der Kliniken, die ggf. einen höheren Tagessatz haben, nicht enthalten sind. Teilweise werden Mütter auch aufgefordert, die Mehrkosten für die gewünschte Klinik zu übernehmen. Dies ist eindeutig rechtswidrig.
Das Müttergenesungswerk kritisiert diese Vorgehensweise und bittet Krankenkassen um eine verantwortungsvolle Umsetzung des Wunsch- und Wahlrechts im Sinne des Gesetzgebers. Für Mütter, die beim Kurantrag eigentlich schon keine Kraft mehr haben, ist diese Hürde hoch, betont Schilling. „Die Stärkung des Wunsch- und Wahlrechtes, die der Gesetzgeber bewusst gewollt hat, wird damit konterkariert. Gegebenenfalls bedarf es weiterer gesetzlicher Verbesserungen und Klarstellungen.“
Die bundesweit 1.200 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden im Verbund des Müttergenesungswerks unterstützen Mütter und Väter bei allen Fragen rund um die Kurmaßnahme, beim Antragsverfahren und auch bei der Vorbereitung auf die Kur bzw. bei der Nachsorge.
Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin
Ansprechpartnerin: Anne Schilling, Tel.: 030 3300290
presse@muettergenesungswerk.de
Kurtelefon: 030 33002929
www.muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de/jetzt-spenden

 

 

Mütter unter Druck: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Müttergenesungswerk stellt Zahlen und Fakten für das Berichtsjahr 2016/17 auf Jahrespressekonferenz vor

•         Etwa 49.000 Mütter und 72.000 Kinder haben die Kurmaßnahmen in Anspruch genommen, der Bedarf ist aber weitaus höher.
•         Zwei Drittel aller Widersprüche für Kuranträge sind erfolgreich.
•         Bedarf steigt, Beratung sinkt? Erforderliche gesetzliche Regelung für Beratungsstellen.

Berlin, 10. Oktober 2017. Bessere Bezahlung von Frauen, kostenfreie Kinderbetreuung und Familienunterstützung: Im Wahlkampf wurden viele dieser familienbezogenen Themen diskutiert. Der Bedarf wurde erkannt, doch wie sieht es 2016/2017 in den Familien in Deutschland aus? Das Müttergenesungswerk (MGW) stellt am 10. Oktober 2017 im Rahmen der Jahrespressekonferenz in Berlin die aktuellen Zahlen und Fakten zur Müttergesundheit vor. Die Unterstützung von belasteten Frauen, die Kinder erziehen, die Hausarbeit erledigen, teils zusätzlich Angehörige pflegen und oftmals berufstätig sind, ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe. „Es fehlt an gesellschaftlicher Wertschätzung und oftmals auch am eigenen Selbstwertgefühl. Beide Komponenten sind aber wichtig, um Mütter stark zu machen“, so Elke Büdenbender, Schirmherrin des MGW. Das Müttergenesungswerk stellt drei Themenschwerpunkte und Forderungen in den Mittelpunkt der diesjährigen Jahrespressekonferenz.

Realität von Müttern: Zwischen modernem Frauenbild und traditioneller Mutterrolle
In der heutigen Gesellschaft könnte man davon ausgehen, dass sich die Gleichberechtigung von Frauen und Männern als allgemeiner gesellschaftlicher Konsens auch in der Familie widerspiegelt. Doch so sehr sich die Rolle von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat, mit der Geburt eines Kindes dominiert ein traditionelles Familienmodell. Zwar engagieren sich Väter stärker in der Erziehung, die Hausarbeit wird jedoch nachweislich zu einem überwiegenden Teil von Frauen erledigt. Trotz Berufstätigkeit stehen viele Mütter daher nach wie vor als Hauptverantwortliche für Familienarbeit in einer permanenten Überlastungssituation mit Zeitstress und hohem Erwartungsdruck. Von ca. 49.000 Müttern, die 2016 an einer Mütter- oder Mutter-Kind-Kurmaßnahme im Müttergenesungswerk teilgenommen haben, leiden über 87 Prozent unter Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out. Die Kurmaßnahmen im MGW beschäftigen sich auch mit diesem Rollenbild in der Therapie.

„Es ist in Ordnung, wenn Mütter sich nicht immer stark fühlen. Damit sind sie nicht alleine. In den Kurmaßnahmen im Müttergenesungswerk wird dieser Bewusstseinsprozess gefördert. Davon berichteten mir Mütter, mit denen ich bei meinem Besuch in einer Mutter-Kind-Klinik diesen Sommer sprach. Die Effekte der Kurmaßnahmen sind also sehr nachhaltig und können in den Alltag übertragen werden.“, so Büdenbender.


Das Antragsverfahren: Mehr Transparenz und Abbau von Hürden
Wenn Mütter einen Kurantrag stellen, haben sie die Belastungsgrenze längst erreicht. Der Antrag sollte daher ein einfaches Verfahren sein. 2016 hat gezeigt, dass sich der Zugang zu Kurmaßnahmen – im Vergleich zu 2010 – zwar verbessert hat, aber immer noch Hürden im Antragsverfahren bremsen. Der Zugang könnte z.B. durch ein bundeseinheitliches Attestformular deutlich erhöht werden. Zwar ist die Ablehnungsquote mit 12 Prozent relativ moderat, aber zwei Drittel aller Widersprüche gegen diese Ablehnungen sind erfolgreich. Das belegt eine hohe Zahl an Fehlentscheidungen der Krankenkassen. Gleiches gilt für die 2015 politisch gewollte gesetzliche Stärkung des Wunsch- und Wahlrechts der Versicherten, das selten durchgesetzt werden kann.

Steigender Bedarf, sinkende Beratung? Gesetzliche Bedingungen schaffen
Mütter und Väter haben einen hohen Informations- und Aufklärungsbedarf. Im Antragsverfahren ist es sehr wichtig, keine zusätzlichen Belastungen zu schaffen, sondern kompetente Unterstützung zu bieten. Doch das Netz bröckelt: Rund 1.200 Beratungsstellen beraten jährlich 130.000 Mütter und Väter bei Kuranträgen und Nachsorge. Vor 10 Jahren waren es noch 1.400 Stellen. Der Hintergrund: Es gibt keine öffentliche Finanzierung für diese Beratungsarbeit. Es bedarf einer Zukunftssicherung mit gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Aufgabe: „Wenn wir von rund 2 Millionen kurbedürftigen Müttern in Deutschland ausgehen, aber nur 130.000 sich beraten lassen, sehen wir, dass das Potential der Beratungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft ist und leider nur ein Bruchteil eine Kurmaßnahme beantragt. Breitere Information und individuelle Beratung sind daher wesentlich, damit die Mütter und Väter ihren gesetzlichen Anspruch auch wahrnehmen können“, so Dr. Kirsten Soyke, Kuratoriumsvorsitzende beim MGW. „Als Korrektiv und politische Stimme für die Rahmenbedingungen und den Zugang zu Kurmaßnahmen empfiehlt das MGW dringend eine gesetzliche Sicherung der Beratung in Deutschland.“

Hier finden Sie die Pressemappe „Fakten und Forderungen“

Kontakt:
Anne Schilling
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63 - 10115 Berlin
Tel.: 030 330029-14
presse@muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de


Totale Erschöpfung: Wenn Familienarbeit krank macht

Müttergenesungswerk stellt Jahresauswertung 2015 vor

Berlin, 15. Juni 2016.
87 Prozent aller Mütter, die 2015 an einer Kurmaßnahme in einer vom Müttergenesungswerk (MGW) anerkannten Klinik teilnahmen, litten an einem Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out. Dies  ist ein Anstieg um 3 Prozent. Auch bei Vätern dominierten diese Gesundheitsstörungen mit fast 70 Prozent. Trotz noch geringer Teilnehmerzahlen verzeichnet das MGW bei Männern eine stetig wachsende Nachfrage: 2015 wuchs der Anteil an Vätern in Kurmaßnahmen um 24 Prozent. Rund 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden Zuhause gepflegt, hauptsächlich von Frauen. Ein Drittel der Pflegenden erkrankt jedoch aufgrund der zusätzlichen Belastungen selbst. Fachleute, aber auch Pflegende wissen nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kurmaßnahme zur Vorsorge oder Rehabilitation haben. So das Fazit der diesjährigen Auswertung der Sozialdaten, die das MGW jährlich in seinen Einrichtungen erhebt.

„Erschreckend ist die stetig wachsende Zahl von Erschöpfungszuständen – inzwischen kommen 87 Prozent aller Mütter mit dieser Indikation in die Klinik“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende Dagmar Ziegler, MdB. „Mütter und Väter leiden gleichermaßen besonders stark unter ständigem Zeitdruck, bedingt durch Doppel- und Dreifachbelastung. Das traditionelle Rollenmodell mit dem Mann als Haupt- und Vollzeitverdiener stellt allerdings für Väter eine extreme Herausforderung dar. Nahezu 60 Prozent nennt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Belastung. Trotz ihrer Probleme durch den Beruf arbeiten 52 Prozent der befragten Väter über 40 Stunden und mehr pro Woche. Wenn sie dazu noch familienbezogene Aufgaben wahrnehmen, kommen auch Männer an ihre Grenzen und werden krank“, so Ziegler weiter.

Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW ergänzt: „Der Gesundheitszustand von Frauen mittleren Alters ist auffallend schlecht. Bei dieser Altersgruppe gibt es besonders hohe psychosoziale Belastungen durch Haus- und Familienarbeit. Gerade in Bezug auf pflegende Frauen besteht dringend Handlungsbedarf, denn diese Frauen befinden sich in einer Sandwich-Position. Wir wissen, dass bereits heute ein Viertel aller Mütter Angehörige pflegen und wir wissen auch, dass rund ein Drittel derjenigen, die pflegen, selbst aufgrund der zusätzlichen Belastungen erkranken. Daher bieten die fünf Mütterkliniken, die unter dem Dach des MGW arbeiten, Schwerpunktmaßnahmen für pflegende Frauen an. Seit 2012 gibt es mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz auch einen  gesetzlichen Anspruch für alle pflegenden Frauen und Männer. Dies ist leider weder bei den Betroffenen, noch bei Expertinnen und Experten richtig bekannt.“

Die Kuratoriumsvorsitzende betont den unterschiedlichen Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mütter, Väter und Pflegende „Die Praxiserfahrungen zeigen, dass das Müttergenesungswerk weiter gefordert ist, die Menschen, die Sorgearbeit in der Familie leisten, differenziert in den Blick zu nehmen und entsprechend dem Stiftungsauftrag konkret zu unterstützen.“