Müttergenesungswerk rät: Wunsch- und Wahlrecht bei Kurmaßnahmen nutzen

Berlin, 30. November 2017. Das Wunsch- und Wahlrecht der gesetzlich Versicherten wurde 2015 durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz gestärkt und ausdrücklich auf Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen bzw. auch Vater-Kind-Kurmaßnahmen zur Vorsorge- und Rehabilitation ausgeweitet.
„Wir raten Müttern, dieses Recht den Krankenkassen gegenüber unbedingt wahrzunehmen und ihren Klinikwunsch mit dem Antrag einzureichen“, empfiehlt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes. „Die Wahl der ‚richtigen‘ Klinik ist wichtige Voraussetzung für den gesundheitlichen und nachhaltigen Erfolg der Kurmaßnahme.“
Neben der medizinischen Indikation gibt es weitere wichtige Kriterien für die Klinikwahl: Zum Beispiel bestimmte Therapieformen, eine Spezialisierung oder auch Schwerpunktkurmaßnahmen aus dem psychosozialen Bereich, eine Kurmaßnahme an der ausschließlich Mütter teilnehmen, eine konfessionelle Klinik, Bedingungen der Kinderbetreuung oder auch die Größe oder die Entfernung der Klinik.
All diese Wünsche sind berechtigt und tragen zum Kurerfolg bei. Gesetzlich entscheiden Krankenkassen über die Bewilligung eines Kurantrags und über den Ort und Zeitpunkt einer Kurmaßnahme. Dabei sind sie jedoch verpflichtet, den „berechtigten Wünschen“ der Versicherten zu entsprechen. Die von der Krankenkasse bewilligte Kurmaßnahme muss „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein. Doch das Wirtschaftlichkeitsgebot, mit dem die Krankenkassen argumentieren, bedeutet nicht, dass ausschließlich das billigste Angebot auszuwählen ist. Der Gesundheitserfolg steht im Vordergrund.
In der Praxis werden die Wünsche von Müttern mit dem Wirtschaftlichkeitsgebot allein auf den Preis reduziert. In der Begutachtungs-Richtlinie Vorsorge und Rehabilitation des Medizinischen Dienstes, die das Müttergenesungswerk 2012 mitverhandelt hat, wurde ausdrücklich formuliert, dass der Preis nicht das alleinige Kriterium sein darf. Inzwischen gibt es sogar Fälle, in denen Mütter von ihrer Krankenkasse eine eingeschränkte „Klinik-Liste“ erhalten, auf der Kliniken, die ggf. einen höheren Tagessatz haben, nicht enthalten sind. Teilweise werden Mütter auch aufgefordert, die Mehrkosten für die gewünschte Klinik zu übernehmen. Dies ist eindeutig rechtswidrig.
Das Müttergenesungswerk kritisiert diese Vorgehensweise und bittet Krankenkassen um eine verantwortungsvolle Umsetzung des Wunsch- und Wahlrechts im Sinne des Gesetzgebers. Für Mütter, die beim Kurantrag eigentlich schon keine Kraft mehr haben, ist diese Hürde hoch, betont Schilling. „Die Stärkung des Wunsch- und Wahlrechtes, die der Gesetzgeber bewusst gewollt hat, wird damit konterkariert. Gegebenenfalls bedarf es weiterer gesetzlicher Verbesserungen und Klarstellungen.“
Die bundesweit 1.200 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden im Verbund des Müttergenesungswerks unterstützen Mütter und Väter bei allen Fragen rund um die Kurmaßnahme, beim Antragsverfahren und auch bei der Vorbereitung auf die Kur bzw. bei der Nachsorge.
Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin
Ansprechpartnerin: Anne Schilling, Tel.: 030 3300290
presse@muettergenesungswerk.de
Kurtelefon: 030 33002929
www.muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de/jetzt-spenden

 

 

Mütter unter Druck: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Müttergenesungswerk stellt Zahlen und Fakten für das Berichtsjahr 2016/17 auf Jahrespressekonferenz vor

•         Etwa 49.000 Mütter und 72.000 Kinder haben die Kurmaßnahmen in Anspruch genommen, der Bedarf ist aber weitaus höher.
•         Zwei Drittel aller Widersprüche für Kuranträge sind erfolgreich.
•         Bedarf steigt, Beratung sinkt? Erforderliche gesetzliche Regelung für Beratungsstellen.

Berlin, 10. Oktober 2017. Bessere Bezahlung von Frauen, kostenfreie Kinderbetreuung und Familienunterstützung: Im Wahlkampf wurden viele dieser familienbezogenen Themen diskutiert. Der Bedarf wurde erkannt, doch wie sieht es 2016/2017 in den Familien in Deutschland aus? Das Müttergenesungswerk (MGW) stellt am 10. Oktober 2017 im Rahmen der Jahrespressekonferenz in Berlin die aktuellen Zahlen und Fakten zur Müttergesundheit vor. Die Unterstützung von belasteten Frauen, die Kinder erziehen, die Hausarbeit erledigen, teils zusätzlich Angehörige pflegen und oftmals berufstätig sind, ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe. „Es fehlt an gesellschaftlicher Wertschätzung und oftmals auch am eigenen Selbstwertgefühl. Beide Komponenten sind aber wichtig, um Mütter stark zu machen“, so Elke Büdenbender, Schirmherrin des MGW. Das Müttergenesungswerk stellt drei Themenschwerpunkte und Forderungen in den Mittelpunkt der diesjährigen Jahrespressekonferenz.

Realität von Müttern: Zwischen modernem Frauenbild und traditioneller Mutterrolle
In der heutigen Gesellschaft könnte man davon ausgehen, dass sich die Gleichberechtigung von Frauen und Männern als allgemeiner gesellschaftlicher Konsens auch in der Familie widerspiegelt. Doch so sehr sich die Rolle von Frauen in den vergangenen Jahrzehnten geändert hat, mit der Geburt eines Kindes dominiert ein traditionelles Familienmodell. Zwar engagieren sich Väter stärker in der Erziehung, die Hausarbeit wird jedoch nachweislich zu einem überwiegenden Teil von Frauen erledigt. Trotz Berufstätigkeit stehen viele Mütter daher nach wie vor als Hauptverantwortliche für Familienarbeit in einer permanenten Überlastungssituation mit Zeitstress und hohem Erwartungsdruck. Von ca. 49.000 Müttern, die 2016 an einer Mütter- oder Mutter-Kind-Kurmaßnahme im Müttergenesungswerk teilgenommen haben, leiden über 87 Prozent unter Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out. Die Kurmaßnahmen im MGW beschäftigen sich auch mit diesem Rollenbild in der Therapie.

„Es ist in Ordnung, wenn Mütter sich nicht immer stark fühlen. Damit sind sie nicht alleine. In den Kurmaßnahmen im Müttergenesungswerk wird dieser Bewusstseinsprozess gefördert. Davon berichteten mir Mütter, mit denen ich bei meinem Besuch in einer Mutter-Kind-Klinik diesen Sommer sprach. Die Effekte der Kurmaßnahmen sind also sehr nachhaltig und können in den Alltag übertragen werden.“, so Büdenbender.


Das Antragsverfahren: Mehr Transparenz und Abbau von Hürden
Wenn Mütter einen Kurantrag stellen, haben sie die Belastungsgrenze längst erreicht. Der Antrag sollte daher ein einfaches Verfahren sein. 2016 hat gezeigt, dass sich der Zugang zu Kurmaßnahmen – im Vergleich zu 2010 – zwar verbessert hat, aber immer noch Hürden im Antragsverfahren bremsen. Der Zugang könnte z.B. durch ein bundeseinheitliches Attestformular deutlich erhöht werden. Zwar ist die Ablehnungsquote mit 12 Prozent relativ moderat, aber zwei Drittel aller Widersprüche gegen diese Ablehnungen sind erfolgreich. Das belegt eine hohe Zahl an Fehlentscheidungen der Krankenkassen. Gleiches gilt für die 2015 politisch gewollte gesetzliche Stärkung des Wunsch- und Wahlrechts der Versicherten, das selten durchgesetzt werden kann.

Steigender Bedarf, sinkende Beratung? Gesetzliche Bedingungen schaffen
Mütter und Väter haben einen hohen Informations- und Aufklärungsbedarf. Im Antragsverfahren ist es sehr wichtig, keine zusätzlichen Belastungen zu schaffen, sondern kompetente Unterstützung zu bieten. Doch das Netz bröckelt: Rund 1.200 Beratungsstellen beraten jährlich 130.000 Mütter und Väter bei Kuranträgen und Nachsorge. Vor 10 Jahren waren es noch 1.400 Stellen. Der Hintergrund: Es gibt keine öffentliche Finanzierung für diese Beratungsarbeit. Es bedarf einer Zukunftssicherung mit gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Aufgabe: „Wenn wir von rund 2 Millionen kurbedürftigen Müttern in Deutschland ausgehen, aber nur 130.000 sich beraten lassen, sehen wir, dass das Potential der Beratungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft ist und leider nur ein Bruchteil eine Kurmaßnahme beantragt. Breitere Information und individuelle Beratung sind daher wesentlich, damit die Mütter und Väter ihren gesetzlichen Anspruch auch wahrnehmen können“, so Dr. Kirsten Soyke, Kuratoriumsvorsitzende beim MGW. „Als Korrektiv und politische Stimme für die Rahmenbedingungen und den Zugang zu Kurmaßnahmen empfiehlt das MGW dringend eine gesetzliche Sicherung der Beratung in Deutschland.“

Hier finden Sie die Pressemappe „Fakten und Forderungen“

Kontakt:
Anne Schilling
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63 - 10115 Berlin
Tel.: 030 330029-14
presse@muettergenesungswerk.de
www.muettergenesungswerk.de


Neue Schirmherrin des Müttergenesungswerks Elke Büdenbender: „Eine Spende ist ein schönes Geschenk zum Muttertag“

Berlin, 11. Mai 2017. Am Muttertag wird der enormen Leistung der Mütter in unserer Gesell-schaft besondere Aufmerksamkeit und Anerkennung geschenkt. Für das Müttergenesungswerk ist dies ein Anlass, einmal mehr durch seine bundesweite Spendensammlung auf die Belastung von Müttern in ihrem Alltag aufmerksam zu machen und um Spenden für erschöpfte und kranke Mütter zu bitten.
Unterstützung erfährt die Elly Heuss-Knapp-Stiftung, bekannt als Müttergenesungswerk (MGW), dabei von seiner neuen Schirmherrin Elke Büdenbender, der Ehefrau des Bundespräsidenten. „Die Gesundheit von Müttern liegt mir sehr am Herzen, unter anderem, weil ich selbst Mutter ei-ner nun schon erwachsenen Tochter bin und weiß, welchen Herausforderungen Mütter in unserer Gesellschaft oft gegenüber stehen“, erklärt Elke Büdenbender und wirbt damit um Spenden für die Arbeit des Müttergenesungswerks.
Gemeinsam mit dem Müttergenesungswerk möchte sie daran erinnern, dass es mitten unter uns viele Mütter gibt, die dringend Hilfe benötigen. Trotz wandelnder Rollenbilder leisten die Frauen immer noch einen Großteil der Familienarbeit. Über zwei Millionen Mütter sind durch Doppel- und Dreifachbelastung in Familie, Haushalt und Beruf so erschöpft und ausgelaugt, dass sie als kur-bedürftig gelten. Rund 50.000 Frauen pro Jahr profitieren von einer Mütterkur oder Mutter-Kind-Kur in einer der 76 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken, um dort ihre Gesundheit zu stabilisieren.
Als gemeinnützige Stiftung ist das Müttergenesungswerk auf Menschen angewiesen, die Mütter kontinuierlich unterstützen wollen. „Die Arbeit der Stiftung und ihr unermüdlicher Einsatz für Müt-ter, für Väter und für pflegende Angehörige verdienen großen Respekt. Auch eine Spende zum Muttertag ist Ausdruck der Anerkennung für die Leistung einer Mutter – weil sie der Arbeit des Müttergenesungswerks ganz konkret hilft“, betont Elke Büdenbender.
Das Müttergenesungswerk ist Anlaufstelle Nummer eins und rettender Anker, wenn Erschöpfung und Krankheit eine Auszeit erzwingen. In einem bundesweiten Netzwerk von rund 1.300 Bera-tungsstellen im Verbund des MGW wird kostenlos beraten, aufgeklärt, zugehört und informiert. Das MGW stärkt dabei nicht nur durch seine Gesundheitsangebote. Mit Hilfe von Spenden erhal-ten einkommensschwache Mütter einen direkten finanziellen Zuschuss, damit eine Kurmaß-nahme nicht zur Frage des Geldes wird, wenn die Nebenkosten die eigenen finanziellen Mittel übersteigen.
Deshalb sind jetzt zum Muttertag wieder die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unter-wegs, um die dringend notwendigen Spenden zugunsten kranker und erschöpfter Mütter, Väter und pflegender Angehöriger einzuholen. Für sie könnte es kein besseres Geschenk geben als eine Spende zum Muttertag.
Spendenkonto: IBAN: DE13 7002 0500 0008 8555 04, BIC: BFSWDE33MUE
Weitere Informationen und Kontakt:
Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
Bergstraße 63, 10115 Berlin, Tel.: 030 3300290, Kurtelefon 030 33002929
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Stabwechsel beim Müttergenesungswerk: Dr. Kirsten Soyke übernimmt Vorsitz im Kuratorium

Dr. Kirsten Soyke wurde einstimmig zur neuen Kuratoriumsvorsitzenden der Elly Heuss-Knapp-Stiftung Deutsches Müttergenesungswerk gewählt.
Die Hamburger Rechtsanwältin übernimmt das Amt von Dagmar Ziegler, MdB nach deren dreijährigen Amtsperiode Dagmar Ziegler bleibt Mitglied im Kuratorium


Berlin, 18. November 2016. Dr. Kirsten Soyke ist neue Vorsitzende des Kuratoriums der Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk (MGW). Die Hamburger Rechtsanwältin wurde einstimmig gewählt. Sie ist kein neues Gesicht im Kuratorium, denn sie engagiert sich bereits seit einem Jahr ehrenamtlich als eine von fünf unabhängigen Kuratorinnen. Dagmar Ziegler, Mitglied des Bundestags, hat dem Kuratorium drei Jahre vorgestanden und bleibt der Stiftung weiterhin als Kuratoriumsmitglied verbunden.
Kompetenz und Kreativität stärken: Dr. Kirsten Soyke freut sich auf die Aufgabe
Dr. Kirsten Soyke ist der Idee des Müttergenesungswerks nicht nur fachlich, sondern auch persönlich verbunden und weiß um die wichtige gesellschaftliche Aufgabe der Stiftung. Die Hamburger Juristin arbeitet als Rechtsanwältin mit den Schwerpunkten Gesellschafts-, Steuer- und Medizinrecht und berät mittelständischen Unternehmen.
In ihrer Antrittsrede im neuen Amt unterstreicht sie, dass die Stiftung mit ihrer Zielrichtung weltweit einzigartig ist. Ganz im Sinne der Stifterin soll das Müttergenesungswerk kreativ und zukunftsweisend für eine hohe öffentliche Wahrnehmung des Stiftungszwecks sorgen – und so die Unterstützung von Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen sichern. Ein gutes Netzwerk ist dabei zentral. „Als Kuratoriumsvorsitzende sehe ich es als meine Aufgabe an, gemeinsam mit dem Kuratorium, der Geschäftsstelle, den vom MGW anerkannten Kliniken und den Beratungsstellen die Chancen der Zukunft für die Stiftung zu nutzen“, so Dr. Kirsten Soyke.
Neue Stiftungszwecke bei gleicher Vision: Dagmar Ziegler zieht positive Bilanz
„Der Vorsitz im Kuratorium der Stiftung war für mich persönlich eine sehr schöne Zeit und ein wichtiges Engagement, das ich nun in die besten Hände abgebe“, resümiert Dagmar Ziegler ihre dreijährige Amtszeit. Das Müttergenesungswerk hat in dieser Zeit die Stiftungsarbeit geschlechtsspezifisch ausgeweitet und erfolgreiche spezifische Angebote für Väter und pflegende Angehörige auf den Weg gebracht. „Mütter stehen aber weiterhin an erster Stelle und im Zentrum der Arbeit des Müttergenesungswerks“, stellt Dagmar Ziegler heraus. Ihr Engagement als Mitglied im Kuratorium, das sie bereits im Jahr 2009 begonnen hatte, wird sie mit Freude weiterführen.


Weitere Informationen und Kontakt:


Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches Müttergenesungswerk
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Totale Erschöpfung: Wenn Familienarbeit krank macht

Müttergenesungswerk stellt Jahresauswertung 2015 vor

Berlin, 15. Juni 2016.
87 Prozent aller Mütter, die 2015 an einer Kurmaßnahme in einer vom Müttergenesungswerk (MGW) anerkannten Klinik teilnahmen, litten an einem Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out. Dies  ist ein Anstieg um 3 Prozent. Auch bei Vätern dominierten diese Gesundheitsstörungen mit fast 70 Prozent. Trotz noch geringer Teilnehmerzahlen verzeichnet das MGW bei Männern eine stetig wachsende Nachfrage: 2015 wuchs der Anteil an Vätern in Kurmaßnahmen um 24 Prozent. Rund 70 Prozent aller Pflegebedürftigen werden Zuhause gepflegt, hauptsächlich von Frauen. Ein Drittel der Pflegenden erkrankt jedoch aufgrund der zusätzlichen Belastungen selbst. Fachleute, aber auch Pflegende wissen nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf eine Kurmaßnahme zur Vorsorge oder Rehabilitation haben. So das Fazit der diesjährigen Auswertung der Sozialdaten, die das MGW jährlich in seinen Einrichtungen erhebt.

„Erschreckend ist die stetig wachsende Zahl von Erschöpfungszuständen – inzwischen kommen 87 Prozent aller Mütter mit dieser Indikation in die Klinik“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende Dagmar Ziegler, MdB. „Mütter und Väter leiden gleichermaßen besonders stark unter ständigem Zeitdruck, bedingt durch Doppel- und Dreifachbelastung. Das traditionelle Rollenmodell mit dem Mann als Haupt- und Vollzeitverdiener stellt allerdings für Väter eine extreme Herausforderung dar. Nahezu 60 Prozent nennt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Belastung. Trotz ihrer Probleme durch den Beruf arbeiten 52 Prozent der befragten Väter über 40 Stunden und mehr pro Woche. Wenn sie dazu noch familienbezogene Aufgaben wahrnehmen, kommen auch Männer an ihre Grenzen und werden krank“, so Ziegler weiter.

Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW ergänzt: „Der Gesundheitszustand von Frauen mittleren Alters ist auffallend schlecht. Bei dieser Altersgruppe gibt es besonders hohe psychosoziale Belastungen durch Haus- und Familienarbeit. Gerade in Bezug auf pflegende Frauen besteht dringend Handlungsbedarf, denn diese Frauen befinden sich in einer Sandwich-Position. Wir wissen, dass bereits heute ein Viertel aller Mütter Angehörige pflegen und wir wissen auch, dass rund ein Drittel derjenigen, die pflegen, selbst aufgrund der zusätzlichen Belastungen erkranken. Daher bieten die fünf Mütterkliniken, die unter dem Dach des MGW arbeiten, Schwerpunktmaßnahmen für pflegende Frauen an. Seit 2012 gibt es mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz auch einen  gesetzlichen Anspruch für alle pflegenden Frauen und Männer. Dies ist leider weder bei den Betroffenen, noch bei Expertinnen und Experten richtig bekannt.“

Die Kuratoriumsvorsitzende betont den unterschiedlichen Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mütter, Väter und Pflegende „Die Praxiserfahrungen zeigen, dass das Müttergenesungswerk weiter gefordert ist, die Menschen, die Sorgearbeit in der Familie leisten, differenziert in den Blick zu nehmen und entsprechend dem Stiftungsauftrag konkret zu unterstützen.“